Arbeitsakte · Profiler Case File #1

Fall 1: Todesfall im verschlossenen Zugabteil

Analysefall · Bahnstrecke Stuttgart–Hamburg · 23. November 1994

Sie arbeiten mit dem vorliegenden Material.
Die Analyse, Gewichtung und Schlussfolgerung übernehmen Sie selbst.

Arbeiten Sie Abschnitt für Abschnitt. Notieren Sie Hypothesen vor dem Weiterlesen — und markieren Sie alles, was offen bleibt.

Hinweis: Es gibt keine Musterlösung im Sinne von richtig oder falsch. Am Ende erhalten Sie eine Einordnung aus Profiler-Sicht — als Abgleich, nicht als Urteil.

Arbeitsweise & Analysehaltung

Arbeiten Sie nicht linear. Lesen Sie nicht „durch“.
Analyse entsteht im Vergleich — besonders dort, wo sich Informationen widersprechen.

Grundlogik: TatbildSpurenEntscheidungenmögliches Täterprofil

  • Beobachtung strikt von Bewertung trennen Was ist gesichert erkennbar – und was ist bereits Deutung?
  • Annahmen immer als Hypothesen formulieren Keine Annahme gilt als tragfähig, solange sie nicht durch Befund gestützt wird.
  • Spuren gewichten statt sammeln Welche Information trägt strukturell — und welche ist möglicherweise Rauschen?
  • Revision zulassen Neue Hinweise verändern die Linie. Korrigieren Sie — verteidigen Sie nicht.

Bestand

Was diese Akte enthält

Diese Akte ist kein Text zum „Durchlesen“, sondern Material zur Analyse.
Alles, was enthalten ist, dient dem Abgleich — nicht der Erklärung.

Dokument

Sachverhalt

Gesicherter Stand der bekannten Ausgangslage — ohne Deutung, ohne Einordnung.

Anlage

Textmaterial

Protokollartige Angaben und Auszüge, die einzeln gelesen und geprüft werden müssen.

Anlage

Skizzen & visuelles Material

Darstellungen zur räumlichen Orientierung und zur Einordnung von Lagebeziehungen.

Hinweise

Spuren & Auffälligkeiten

Details, die Fragen aufwerfen, Abweichungen markieren oder weiterer Klärung bedürfen.

Arbeitsblatt

Arbeitsräume

Platz für Beobachtung, Hypothesen, Ausschluss, Belastungstest und Verdichtung.

Einordnung

Einordnung aus Profiler-Sicht

Fachlicher Referenzrahmen zur Einordnung der Befunde — ohne Falllösung oder Bewertung.

Orientierung

Startpunkt

Für die Analyse ist kein festgelegter Einstieg erforderlich. Maßgeblich ist der Abgleich des vorliegenden Materials sowie die saubere Trennung von Beobachtung und Deutung.

Zustand & Ausgangslage

Ausgangslage, Auffinden und Rahmenbedingungen bilden die erste Orientierungsebene.

Widersprüche & Brüche

Abweichungen vom Erwartbaren markieren potenzielle Analyseansätze.

Tragfähigkeit von Spuren

Informationen unterscheiden sich in ihrer Relevanz. Nicht jede Spur besitzt strukturelles Gewicht.

Revisionsoffenheit

Neue Befunde können bestehende Annahmen verändern oder aufheben.

Arbeitsmodus

Wie mit dieser Akte gearbeitet wird

Profilerarbeit beginnt nicht mit Gewissheit, sondern mit Unsicherheit, offenen Fragen und widersprüchlichem Material.

Informationen stehen nebeneinander. Spuren widersprechen sich. Erste Annahmen wirken tragfähig – und brechen später weg.

Diese Akte ist so aufgebaut, dass Sie genau diesen Prozess durchlaufen: prüfen, verwerfen, neu gewichten.

Wenn Sie an einem Punkt feststecken oder Ihre Linie verlieren, ist das kein Fehler, sondern ein normaler Teil analytischer Arbeit.

Professionelle Analyse bedeutet nicht, jederzeit sicher zu sein, sondern Unsicherheit auszuhalten, bis belastbare Zusammenhänge erkennbar werden.

Diese Akte dokumentiert den bekannten Sachstand eines ungeklärten Todesfalls.
Die Darstellung erfolgt strikt getrennt nach Beobachtung, Befund und Einordnung.

Fernzug in der Nacht – Strecke Stuttgart Hamburg

Tatbeschreibung

Auffindesituation

Die folgende Darstellung gibt den dokumentierten Sachstand wieder, wie er zum Zeitpunkt des Auffindens festgestellt wurde. Sie enthält keine Bewertung, keine Einordnung und keine Schlussfolgerung.

Aktenmaterial Dokumentierter Sachverhalt

Tatort
Liegewagenabteil Nr. 8 (Viererabteil) eines Fernzugs der Deutschen Bahn auf der Strecke Stuttgart – Hamburg Hauptbahnhof.
Belegung
Das Abteil war ausschließlich durch das Opfer belegt.
Zeitlicher Rahmen
Freitag, 23. November 1994. Tatzeit zwischen 05:00 Uhr und ca. 05:38 Uhr.
Planmäßige Ankunft in Bremen: 05:58 Uhr.
Zustand beim Öffnen
Beim Öffnen bot sich ein chaotisches Bild: geschlossene Türvorhänge, heruntergezogenes Fensterrollo, geschlossenes Abteilfenster, eingeschaltete Deckenbeleuchtung. Kleidung und persönliche Gegenstände lagen verstreut auf Boden und Sitzflächen.
Lage des Opfers
Das männliche Opfer lag vollständig in Seitenlage auf dem Boden, der Kopf zur Abteiltür, die Knie angezogen, die Arme vor der Brust verschränkt. Ein Schuh war ausgezogen. Das Opfer atmete schwer und röchelte.
Weitere Beobachtungen
Nach dem Drehen auf den Rücken zeigte sich eine stark blutdurchtränkte Stelle im Brustbereich des Hemdes. Es bestand der Verdacht auf eine Schussverletzung.
Gegenstände
Das Opfer lag teilweise auf eigener Bekleidung. Zwischen den Beinen und unter dem Gesäß befanden sich weitere Kleidungsstücke und Papiere, darunter der zweite Schuh sowie ein Blouson. Der Blouson war unbeschädigt und nicht blutig. Die Jackentaschen waren nach außen gekehrt.

TATORTBEFUND

Raumzustand

Die folgenden Angaben beschreiben den Zustand des Raums zum Zeitpunkt des ersten dokumentierten Zugangs. Sie geben ausschließlich feststellbare Merkmale wieder.

Grundriss des Liegewagenabteils
Anlage 2A Grundriss des Liegewagenabteils.

Legende – Raumstruktur des Abteils

  1. Fenster
  2. Ablage unter dem Fenster
  3. Untere Liegebetten (links und rechts)
  4. Obere Klappbetten (links und rechts hochgeklappt)
  5. Tür zum Gang / Abteil
  6. Korridor / Gangbereich
Tatortübersicht mit Spuren und Gegenständen
Anlage 2B Lage von Spuren und Gegenständen im Abteil.

Legende – Spuren und Gegenstände im Abteil

  1. Lage des Opfers
  2. Blutspur unter dem Opfer
  3. Kleidung unter dem Körper
  4. Dokumente unter dem Körper
  5. Sporttasche auf der rechten Liegebank
  6. Kleidung / zweiter Schuh im Bodenbereich
  7. Gegenstände auf der Ablage unter dem Fenster
  8. Kontaktspur an der Vorderkante der Ablage
  9. Blutspritzer auf der Ablage
  10. Verschlossene Tür
  11. Schwarze Wollsocke im Gangbereich
  12. Scheckkarte im Gangbereich
  13. Goldener Ehering des Opfers (Fundort ca. 6 m von der Abteiltür entfernt)
Raumtyp
Abgeschlossener Innenraum mit begrenztem Bewegungsraum.
Zustand
Raum befand sich im Zustand des Auffindens; keine Veränderungen vor Dokumentation vermerkt.
Zugang
Erster Zugang erfolgte ohne dokumentierte Spuren einer gewaltsamen Öffnung.
Bewegungsraum
Eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten aufgrund der räumlichen Enge.
Dokumentation
Raumzustand wurde schriftlich festgehalten und visuell dokumentiert.

Tatortbefund

Raumzustand

Der folgende Abschnitt dokumentiert den Zustand und den Aufbau des Liegewagenabteils zum Zeitpunkt des ersten gesicherten Zugangs. Die Angaben erfolgen ohne Bewertung oder Interpretation.

Rekonstruktion des Liegewagenabteils zum Zeitpunkt der Auffindesituation
Abbildung 1 Rekonstruktion des Liegewagenabteils zum Zeitpunkt der Auffindesituation.

Legende – Lage von Spuren und Gegenständen im Abteil

  1. Lage des Opfers
  2. Blutspur unter dem Opfer
  3. Kleidung unter dem Körper
  4. Dokumente unter dem Körper
  5. Sporttasche auf der rechten Liegebank
  6. Kleidung / zweiter Schuh im Bodenbereich
Abteilgröße
Das Liegewagenabteil maß ca. 180 × 170 cm.
Liegebänke
Auf beiden Seiten befanden sich Ruhebänke, jeweils zwei übereinander. Die oberen Liegen waren hochgeklappt.
Abstand
Der Abstand zwischen den gegenüberliegenden Bänken betrug ca. 55 cm.
Fenster
Das Fenster maß ca. 80 × 120 cm und ließ sich von oben etwa 40 cm nach unten schieben.
Zustand beim Öffnen
Geschlossene Türvorhänge, heruntergezogenes Fensterrollo, geschlossenes Abteilfenster, eingeschaltete Deckenbeleuchtung.
Gegenstände im Abteil
Kleidung und persönliche Gegenstände lagen auf Boden und Sitzen verstreut.
Sporttasche
Auf der rechten Bank lag eine leere Sporttasche. Im Abteil befanden sich u. a. Portemonnaie, Papiere, Kleidungsstücke und Kosmetikartikel.
Ablage unter Fenster
Auf der schmalen Ablage unter dem Fenster lagen: Brieftasche, persönliche Papiere, Zugfahrkarte, zwei 10-DM-Scheine sowie ein Auszahlungsbeleg einer amerikanischen Bank. Zusätzlich befand sich dort ein Reisewecker, eingestellt auf 04:10 Uhr.

Tatortbefund

Spuren & Auffälligkeiten

Der folgende Abschnitt dokumentiert einzelne Spuren, Lageveränderungen und festgestellte Details. Die Darstellung erfolgt rein beschreibend und ohne Bewertung.

Rekonstruktion der Spurenlage im Gang vor dem Abteil
Abbildung 2 Rekonstruktion der Spurenlage im Gang vor dem Liegewagenabteil.

Legende – Funde im Gangbereich

  1. Schwarze Wollsocke im Gangbereich
  2. Scheckkarte im Gangbereich
  3. Goldener Ehering des Opfers (Fundort ca. 6 m von der Abteiltür entfernt)
Detailansicht der Ablage unter dem Fenster mit linker und rechter Hand
Abbildung 3 Detailansicht – Ablage unter dem Fenster mit linker und rechter Hand.

Legende – Detailansicht Ablage unter dem Fenster

  1. Gegenstände auf der Ablage unter dem Fenster
  2. Kontaktspur an der Vorderkante der Ablage
  3. Blutspritzer auf der Ablage
Hinweis zum Detailfeld – Hände Blutübertragungsspuren an beiden Händen; links deutlich stärker ausgeprägt. Zusätzlich feine Blutspritzer an der linken Hand, korrespondierend mit den Spritzern auf der Ablage.
Funde im Gang
Im Gang vor dem Abteil lagen eine Scheckkarte, eine schwarze Wollsocke sowie ein goldener Ehering. Der Ehering befand sich ca. sechs Meter von der Abteiltür entfernt.
Durchsuchte Kleidung
Hosentaschen und Jackentaschen des Opfers waren nach außen gestülpt.
Ablage unter Fenster
Auf der Ablage befanden sich persönliche Papiere, eine Brieftasche, eine Zugfahrkarte, zwei 10-DM-Scheine sowie ein Auszahlungsbeleg einer amerikanischen Bank. Ein Reisewecker war auf 04:10 Uhr eingestellt.
Blutspritzer
Unter den Gegenständen auf der Ablage befanden sich kleinste Blutspritzer, spermienartig geformt. Die Ausrichtung zeigte fächerförmig in Richtung Fenster.
Kontaktspur
An der Vorderkante der Ablage befand sich eine Kontaktspur, verursacht durch einen blutigen Gegenstand oder eine blutige Hand, bevor das Blut getrocknet war.

Textmaterial

Aussagen & Protokollauszüge

Die folgenden Textpassagen geben protokollierte Aussagen und dokumentierte Feststellungen wieder, wie sie im Rahmen der ersten Erhebungen vorlagen. Die Darstellung erfolgt ohne Einordnung und ohne Bewertung.

Aussage – Schaffner (05:30 Uhr)
Beim ersten Aufsuchen des Abteils gegen 05:30 Uhr war die Tür von innen verschlossen. Nach dem Öffnen mit dem Zentralschlüssel wurde der Schaffner daran gehindert, das Abteil zu betreten. Die im Abteil befindliche Person war angezogen, offenbar wach und zum Aussteigen bereit.
Wörtliche Äußerung
Die im Abteil befindliche Person rief dem Schaffner zu: „Es ist alles okay!“
Zeitliche Feststellung
Zu diesem Zeitpunkt verblieben bis zur planmäßigen Ankunft des Zuges in Bremen noch etwa 25 Minuten. Der Schaffner setzte anschließend seinen Rundgang fort.
Protokollnotiz – Gangbereich
Etwa sieben Minuten später befanden sich im Gang vor dem Abteil eine Scheckkarte, eine schwarze Wollsocke sowie ein goldener Ehering in einer Entfernung von ca. sechs Metern zur Abteiltür.
Folgehandlung
Aufgrund dieser Feststellungen entschloss sich der Schaffner, das Abteil erneut zu öffnen.

Aktenmaterial

Rechtsmedizinische Befunde

Die folgenden Angaben geben die rechtsmedizinisch dokumentierten Befunde wieder. Sie beruhen auf äußerer Leichenschau und Obduktion. Die Darstellung erfolgt ohne Bewertung, ohne Rekonstruktion und ohne Schlussfolgerung.

Allgemeiner Leichenbefund
Männlicher Leichnam von großer, kräftiger Statur. Militärischer Kurzhaarschnitt, vernarbtes Gesicht. Beginnende Totenstarre im Kieferbereich sowie Totenflecken an abhängigen Körperpartien vorhanden.
Bekleidung
Oberkörper unbekleidet. Beige Stoffhose mit Gürtel sowie schwarze Socken. Rechter Fuß in braunem Slipper, linker Schuh unter dem Körper. Hose und Gürtel geschlossen, sauber und ohne Blutspuren. Hosentaschen und Jackentaschen nach außen gestülpt.
Äußere Verletzungen
Einschussverletzung im Brustbereich mit Pulver- und Rauchrückständen. Keine weiteren äußeren Verletzungen dokumentiert, die auf stumpfe oder scharfe Gewalteinwirkung hindeuten.
Schusskanal
Schräg absteigender Einschusskanal. Verletzung des linken Lungenober- und Mittellappens sowie des Truncus pulmonalis. Steckschuss im Rückenbereich unmittelbar unter der Haut.
Blutverlust
Blutverlust von über zwei Litern festgestellt. Tod trat nicht unmittelbar ein. Eine zeitweise Handlungsfähigkeit des Verletzten wurde rechtsmedizinisch dokumentiert.
Geschoss
Wadcutter-Bleigeschoss mit flachem Kopf. Durchmesser 8,8 mm, Gewicht 9,38 g. Sportschützenmunition. Vermutlich aus einem Revolver Kaliber .38 mit Rechtsdrall und fünf Zügen abgefeuert.
Hände
An beiden Händen blutige Übertragungsspuren festgestellt, links deutlich stärker ausgeprägt als rechts. Zusätzlich an der linken Hand zahlreiche feine Blutspritzer an Daumen, Mittelfinger und Handrücken dokumentiert.

Aktenmaterial

Blutspuren & biomechanische Hinweise

Die folgenden Angaben beschreiben Blutspuren, deren Verteilung sowie biomechanische und physikalische Befunde. Die Darstellung erfolgt ohne Rekonstruktion und ohne Annahmen zu handelnden Personen.

Blutspuren im Abteil
Unter den auf der Ablage unter dem Fenster befindlichen Gegenständen wurden kleinste Blutspritzer festgestellt. Die Tropfen wiesen eine spermienartige Form auf. Die Ausrichtung der sogenannten „Schwänze“ zeigte fächerförmig in Richtung Fenster.
Energie & Richtung
Form und Verteilung der Blut- und Gewebeteilchen sprechen für einen Ausstoß mit hoher Energie. Das Blut wurde aus einer Wunde heraus in Richtung Fenster geschleudert.
Kontaktspur
An der Vorderkante der Ablage unter dem Fenster wurde eine zusätzliche Kontaktspur festgestellt. Diese entstand vermutlich durch eine blutige Hand oder einen blutigen Gegenstand, bevor das Blut vollständig getrocknet war.
Übertragungsspuren
Die an den Händen dokumentierten Blutübertragungen weisen auf einen direkten Kontakt mit einer blutenden Wunde oder bereits blutdurchtränkter Kleidung hin.
Korrespondenz
Form und Verteilung der Blutspritzer an der linken Hand entsprechen den Blutspritzern auf der Ablage unter dem Fenster. Dies belegt eine räumliche und zeitliche Nähe zwischen Hand und Blutaustritt zum Zeitpunkt der Entstehung.

Aktenmaterial

Zeitliche Fixpunkte

Die folgenden Angaben stellen dokumentierte Zeitpunkte und Zeitfenster dar.
Eine vollständige Abfolge oder Bewertung ergibt sich daraus nicht.

Aktenmaterial Dokumentierte Eckdaten

22.11.1994 ·
21:58 UHR

Einstieg in den Zug

Einstieg in Frankfurt am Main. Fahrt in Richtung Hamburg Hauptbahnhof.

05:00–05:38 UHR

Tatzeitfenster (dokumentiert)

Dokumentierter Tatzeitraum am Freitag, 23. November 1994.

CA. 05:30 UHR

Weckruf / Erster Kontakt am Abteil

Öffnung der von innen verschlossenen Abteiltür mit Zentralschlüssel. Betreten des Abteils wird verhindert. Wörtliche Äußerung aus dem Inneren: „Es ist alles okay!“

CA. 05:37 UHR

Auffällige Funde im Gang

Etwa sieben Minuten nach dem ersten Kontakt: Scheckkarte und schwarze Wollsocke im Gang vor dem Abteil; goldener Ehering in ca. sechs Metern Entfernung zur Abteiltür.

05:58 UHR

Planmäßige Ankunft in Bremen

Planmäßige Ankunft des Zuges in Bremen.

Hinweis: Die dargestellten Zeitpunkte sind dokumentierte Fixpunkte.
Eine Rekonstruktion des Geschehens ergibt sich daraus nicht automatisch.

Ab hier beginnt Ihre Arbeit.

Arbeitsraum

Bis hierhin hatten Sie Material. Ab jetzt ordnen Sie es.

Es gibt in diesem Abschnitt keine Führung, keine Reihenfolge und keine Einordnung von außen. Sie entscheiden, was trägt, was irritiert und was zunächst offen bleibt.

Zur Orientierung finden Sie an passenden Stellen Arbeitsfragen. Sie sind kein „Test“, sondern ein Arbeitsrahmen.

Notieren Sie nicht „Ergebnisse“. Notieren Sie Beobachtungen, Widersprüche, Hypothesen – und das, was Sie bewusst verwerfen.

Wenn Sie die folgenden Arbeitsblätter lieber ausdrucken möchten, finden Sie im Bereich Download & Druckversion eine druckoptimierte PDF-Fassung der Unterlagen.

Arbeitsblatt 01

Beobachtungen

Halten Sie fest, was vorliegt — unabhängig davon, was es bedeuten könnte.
Keine Deutung. Keine Einordnung. Nur überprüfbare Feststellungen.

Regel: Trennen Sie Beobachtung strikt von Interpretation.
Formulieren Sie so, dass ein Dritter die Feststellung prüfen könnte.

Hinweis: Wenn Sie bei einem Punkt unsicher sind, markieren Sie ihn als „offen“ statt ihn zu glätten. Technik: Die Schreibfläche kann unten rechts über die drei kurzen Linien per Klick und Ziehen vergrößert werden.

Analytischer Schritt

Arbeitsannahmen & offene Fragen

Die folgenden Punkte sind vorläufige Denkansätze. Sie entstehen aus dem bisher dokumentierten Sachstand und bleiben bewusst offen. Jede Annahme muss durch Befunde gestützt werden — oder scheitern.

Arbeitsannahme
Der dokumentierte Zustand (Lage im Abteil, verstreute Gegenstände, sichtbarer Blutbereich) kann sowohl durch Eigenhandlungen als auch durch Fremdeinwirkung entstanden sein. Welche Variante trägt, ist ausschließlich über Befundabgleich zu prüfen.
Offene Frage
Welche objektiv gesicherten Tatsachen stehen fest — und welche Punkte sind bereits Schlussfolgerung (z. B. „Durchsuchung“, „Auseinandersetzung“, „gezielt“)?
Offenes Zeitfenster
Welche Zeitfenster lassen sich sicher eingrenzen (z. B. Kontakt um ca. 05:30 Uhr, anschließend erneute Auffälligkeiten, späteres Auffinden) — und welche Abschnitte bleiben lückenhaft?
Arbeitsannahme
Die erste Begegnung mit dem Schaffner (Tür von innen verschlossen, Person offenbar wach und angezogen, Aussage „Es ist alles okay!“) ist ein potenzieller Fixpunkt. Ob er als Normalzustand, Ausnahme oder Inszenierung zu lesen ist, muss geprüft werden.
Offene Frage
Wie sind die im Gang aufgefundenen Gegenstände (Scheckkarte, Socke, Ehering) in Beziehung zum Abteil zu setzen: Reihenfolge, Entstehung, Transport — ohne Deutung?
Offene Frage
Welche Beobachtungen sprechen für eine gezielte Durchsuchung (z. B. nach außen gekehrte Taschen), welche könnten durch Handlungen der Person selbst erklärbar sein?
Arbeitsannahme
Die Informationslage erlaubt mehrere plausible Linien. Keine Variante sollte allein wegen Plausibilität bevorzugt werden, solange widersprechende Befunde nicht sauber benannt sind.

Arbeitsblatt 02

Arbeitsannahmen

Formulieren Sie mehrere mögliche Deutungsrichtungen — bewusst vorläufig. Eine Arbeitsannahme ist kein Ergebnis, sondern ein prüfbarer Denkansatz:
Welche Befunde erklärt sie — und welche Befunde müsste sie zwingend aushalten?

Regel: Halten Sie mindestens zwei Annahmen parallel.
Trennen Sie dabei strikt zwischen Befund und Schlussfolgerung. Formulieren Sie Annahmen so, dass klar ist, woran sie scheitern könnte.

Annahme 01

Vorläufig
Prüfpunkt: Was stützt diese Annahme konkret — und welcher einzelne Befund würde sie am stärksten entkräften?

Annahme 02

Vorläufig
Prüfpunkt: Wo kollidiert diese Annahme mit dem Sachstand — und welche Beobachtung müsste vorhanden sein, damit sie trägt?

Annahme 03

Vorläufig
Prüfpunkt: Welche Information fehlt, um diese Annahme belastbar zu prüfen (Zeitfenster, Spuren, Zeugenaussage, Objekt)?
Hinweis: Wenn Ihre Annahmen nur „plausibel klingen“, sind sie noch nicht brauchbar. Eine gute Arbeitsannahme lässt sich an wenigen, klar benennbaren Befunden prüfen — und kann scheitern.

Arbeitsrahmen

Der Rahmen der Analyse

Analyse bedeutet nicht, „alles“ zu denken. Analyse bedeutet: innerhalb eines definierten Rahmens prüfen, welche Annahmen mit dem dokumentierten Sachstand vereinbar sind — und welche daran scheitern.

Zeitlicher Rahmen
Alle Überlegungen beziehen sich auf die dokumentierten Zeitfenster bis zum Auffinden sowie auf den Zustand beim ersten gesicherten Zugang. Aussagen außerhalb dieser Zeitpunkte werden als offen geführt.
Räumlicher Rahmen
Der Fokus liegt auf dem Abteil und den unmittelbar zugehörigen Bereichen (Zugang, Gangbereich vor dem Abteil, relevante Ablagen). Externe Szenarien werden nur berücksichtigt, wenn sie durch Befund oder Dokumentation begründet sind.
Informationsrahmen
Es wird ausschließlich mit dem Material gearbeitet, das bis zu diesem Punkt dokumentiert vorliegt. Fehlende Angaben werden nicht „geschlossen“, sondern ausdrücklich als fehlend markiert.
Methodischer Rahmen
Hypothesen entstehen aus Abgleich von Befund, Zeitfenster und Raumlogik — nicht aus Plausibilität, Sympathie oder persönlicher Erwartung. Jede Hypothese muss einen klar benennbaren Gegenpunkt aushalten.

Arbeitsblatt 03

Ausschluss & Verdichtung

Dieser Schritt dient der Reduktion. Nicht alles, was denkbar ist, trägt. Streichen Sie konsequent, was mit dem dokumentierten Sachstand nicht vereinbar ist.

Regel: Ausschluss ist kein „Nein aus Gefühl“, sondern ein „Nein aus Befund“.
Notieren Sie exakt, was Sie verwerfen — und den konkreten Befund, warum es nicht trägt.

Unvereinbare Annahmen

Welche Ihrer bisherigen Annahmen scheitern am Tatbild, am Raumzustand oder am Zeitrahmen — und woran genau?

Widersprüche

Wo widersprechen sich Beobachtungen, Spuren oder Aussagen? Welche Widersprüche lassen sich mit dem Material nicht auflösen?

Tragfähigkeit

Welche Annahmen bleiben bestehen, wenn Sie alle nicht belegbaren Elemente konsequent entfernen?

Verdichtung

Worauf verdichtet sich der Fall nach dem Ausschluss? Welche wenigen Linien bleiben übrig — weil sie am wenigsten kollidieren?

Hinweis: Wenn Sie etwas nicht streichen können, markieren Sie es als „offen“ — und benennen Sie den Grund.

Analytischer Schritt

Entscheidungsräume

Analyse bedeutet nicht, eine Erklärung festzuschreiben. Analyse bedeutet, den Entscheidungsraum zu strukturieren.

Handlungen entstehen nicht aus einer einzigen „zwingenden“ Lösung, sondern aus Alternativen unter konkreten Bedingungen (Zeit, Raum, Möglichkeiten, Risiken, Zugang).

Für jede Arbeitsannahme stellt sich daher nicht die Frage, ob sie „richtig“ wirkt, sondern welche anderen Optionen zum selben Zeitpunkt realistisch verfügbar waren.

Profilerarbeit beginnt hier: nicht bei Antworten, sondern bei der Struktur der möglichen Entscheidungen — und ihren Grenzen.

Erst wenn sichtbar wird, welche Wege offenstanden, lässt sich prüfen, welche Linie am wenigsten kollidiert — und welche scheitert.

Arbeitsblatt 04

Hypothesenprüfung

Eine Hypothese ist nur dann brauchbar, wenn sie am Material scheitern kann. Prüfen bedeutet: Was stützt sie? Was widerspricht ihr? Und was fehlt, um sie überhaupt belastbar zu prüfen?

Regel: Prüfen Sie nicht „Plausibilität“, sondern Befund-Kompatibilität.
Notieren Sie stützende Punkte nur dann, wenn sie konkret benennbar sind. Markieren Sie Widersprüche klar — und lassen Sie offene Lücken als „fehlt“ stehen.

Hypothese 01

Belastungstest
Stützt
Welche konkreten Befunde passen zu dieser Hypothese (ohne Zusatzannahmen)?
Widerspricht
Welche Befunde passen nicht — und welcher einzelne Punkt ist der stärkste Gegenbefund?
Fehlt
Welche Information wäre nötig, um diese Hypothese sauber weiter zu prüfen (ohne zu raten)?

Hypothese 02

Belastungstest
Stützt
Welche konkreten Befunde passen zu dieser Hypothese (ohne Zusatzannahmen)?
Widerspricht
Welche Befunde passen nicht — und welcher einzelne Punkt ist der stärkste Gegenbefund?
Fehlt
Welche Information wäre nötig, um diese Hypothese sauber weiter zu prüfen (ohne zu raten)?

Hypothese 03 (optional)

Belastungstest
Stützt
Welche konkreten Befunde passen zu dieser Hypothese (ohne Zusatzannahmen)?
Widerspricht
Welche Befunde passen nicht — und welcher einzelne Punkt ist der stärkste Gegenbefund?
Fehlt
Welche Information wäre nötig, um diese Hypothese sauber weiter zu prüfen (ohne zu raten)?
Hinweis: Wenn zwei Hypothesen gleichzeitig passen, ist das möglich. Vergleichen Sie dann strikt: Welche erzeugt weniger Widersprüche — und welche benötigt weniger Zusatzannahmen?

Analytischer Schritt

Verdichtung

Nach der Hypothesenprüfung geht es nicht darum, „die richtige“ Antwort zu finden. Es geht darum, die Zahl der tragfähigen Linien zu reduzieren — und klar zu markieren, was dafür erfüllt sein müsste und wo die Linie bricht.

Tragfähigste Linie
Welche Hypothese erzeugt die wenigsten Widersprüche und benötigt die wenigsten Zusatzannahmen — bei gleichzeitiger Kompatibilität mit den dokumentierten Befunden?
Bedingungen
Welche prüfbaren Voraussetzungen müssten zutreffen, damit diese Linie belastbar wird? (Befunde, Reihenfolge, Möglichkeiten im Raum, Zeitfenster.)
Kernwiderspruch
Welcher einzelne Punkt wäre der stärkste Gegenbefund? Markieren Sie genau diesen Punkt — statt ihn zu relativieren.
Offene Punkte
Was bleibt objektiv offen — weil das vorhandene Material es nicht hergibt? Benennen Sie diese Lücken klar als „offen“.
Nächster sinnvoller Schritt
Welche konkrete Information wäre als Nächstes entscheidend, um die Linie zu prüfen oder zu entkräften — und warum?

Hinweis: Verdichtung heißt nicht „Sicherheit“. Verdichtung heißt: eine Linie, die ohne unnötige Annahmen trägt — und offen markiert, wo sie noch nicht trägt.

Arbeitsblatt 05

Entscheidungslinie & Belastungstest

Treffen Sie nun eine bewusste Entscheidung. Nicht als Ergebnis — sondern als klare Arbeitslinie. Diese Linie wird nicht geschützt, sondern gezielt belastet.

Aufgabe: Formulieren Sie eine präzise Entscheidungslinie. Keine Absicherung, keine Alternativen, keine Relativierung.
Gegenprobe: Welcher einzelne Befund würde diese Linie am stärksten entkräften?

Hinweis: Wenn Ihre Linie keinen klar benennbaren Gegenbefund hat, ist sie meist zu unkonkret — oder gedanklich noch nicht entschieden.

Unterlagen

Download & Druckversion

Wenn Sie nicht am Bildschirm arbeiten möchten, können Sie die Unterlagen hier als PDF herunterladen und ausdrucken. Das Arbeitsbuch enthält alle Inhalte des digitalen Falls in druckoptimierter Form. Zusätzlich stehen die Tatort-Grafiken sowie leere Notizseiten separat zur Verfügung.

Arbeitsbuch (komplettes Case File)
Das vollständige Arbeitsbuch zum Fall – mit allen Arbeitsblättern, Fragen und Analysebereichen in druckoptimierter Form.
PDF herunterladen
Tatort-Grafiken (Großformat)
Die fünf Tatort-Grafiken in großer Darstellung. Ideal zum Ausdrucken, um Details zu markieren, Spuren einzuzeichnen oder Hypothesen zu entwickeln.
PDF herunterladen
Notizseiten (leer)
Leere Analyse- und Notizseiten für eigene Beobachtungen, Hypothesen und Gedankengänge während der Fallanalyse.
PDF herunterladen

Hinweis: Für den Druck empfiehlt sich A4. Schwarz-Weiß reicht — die Unterlagen sind auf Lesbarkeit ausgelegt.

Profiler-Einordnung

Ab hier beginnt die Einordnung
aus Sicht des Profilers

Sie haben beobachtet, reduziert, geprüft und eine Linie gezogen.
Auf dieser Ebene ist die analytische Arbeit abgeschlossen.

Die folgenden Einschätzungen stehen nicht über Ihrer Arbeit und bewerten sie nicht. Sie dienen als fachliche Referenz: eine mögliche Einordnung aus Sicht des Profilers.

Ab diesem Punkt geht es nicht mehr um Ihre Entscheidung — sondern um den Abgleich mit einer analytischen Perspektive, die auf Erfahrung, Fallvergleich und struktureller Bewertung beruht.

Hinweis

Die folgende Profiler-Einordnung enthält die vollständige fallanalytische Perspektive auf das zuvor dargestellte Material.

Öffnen Sie diesen Abschnitt erst, wenn Sie Ihre eigene Analyse abgeschlossen haben.

Fallanalytische Einordnung

Fallanalytische Gesamtsicht

Die folgende Einordnung ist eine fachliche Perspektive aus Profiler-Sicht.
Sie ersetzt Ihre Analyse nicht und bewertet sie nicht. Sie dient als Referenzrahmen: Abgleich zwischen Ihrem Arbeitsweg und einer analytischen Lesart des Materials — einschließlich dessen, was offen bleiben muss.

Ausgangslage
Ein 57-jähriger ehemaliger US-Soldat reist allein in einem Nachtzug von Frankfurt in Richtung Bremen. Am Morgen des 23. November 1994 wird er in seinem Liegewagenabteil mit einer Schussverletzung im Brustbereich aufgefunden. Wenige Minuten später verstirbt er infolge eines massiven Blutverlusts.

Die Situation im Abteil wirkt zunächst wie das Ergebnis eines Raubdelikts: Gegenstände sind verstreut, Taschen sind nach außen gekehrt, persönliche Dinge liegen im Gang. Zugleich fehlen 5.000 US-Dollar, die das Opfer nach eigenen Angaben bei sich getragen haben soll.

Die Spurenlage ist jedoch widersprüchlich: Einige Hinweise sprechen für ein Fremdgeschehen, andere passen nicht zu einem typischen Raubmord.
Zentrale Auffälligkeiten
Mehrere Befunde stechen aus dem Gesamtbild heraus:
  • Hochgeschwindigkeits-Blutspritzer auf der Ablage unter dem Fenster sowie an der linken Hand des Opfers
  • atypische Schmauchspurenverteilung an der Hand, die nicht zu einer klassischen Schusshand passt
  • verstreute Gegenstände im Abteil und im Gang, jedoch geordnet abgelegte Dokumente auf der Fensterablage
  • extrem kurzer Zeitraum zwischen der ersten Kontrolle des Schaffners und dem Auffinden des Opfers
  • fehlende Tatwaffe sowie keine Spuren eines fremden Täters
Diese Kombination erzeugt ein Tatbild, das auf den ersten Blick wie ein Raub wirkt, bei genauer Betrachtung jedoch nicht den typischen Ablauf eines solchen Delikts zeigt.
Plausibelste Linie
In der Gesamtbetrachtung ergibt sich eine Linie, bei der sich die vorhandenen Spuren mit den geringsten Widersprüchen erklären lassen.

Tom Howe befand sich zum Zeitpunkt der Reise in einer schweren persönlichen Situation. Er litt unter einer schweren Erkrankung mit dauerhaften Schmerzen und hatte in den Tagen zuvor mehrere persönliche Angelegenheiten geregelt, darunter ein Testament und eine Lebensversicherung.

Unter diesen Umständen entschließt er sich, sein Leben zu beenden. Gleichzeitig entwickelt er eine Inszenierung, die den Eindruck eines fremdverursachten Todes erzeugen soll.

Die Verwüstung des Abteils, das Platzieren von Gegenständen im Gang sowie die nach außen gekehrten Taschen dienen dazu, ein Raubdelikt zu suggerieren.

Nach der Schussabgabe bleibt Howe aufgrund der Art der Verletzung noch kurze Zeit handlungsfähig. In dieser Phase wirft er die Tatwaffe aus dem geöffneten Fenster und schließt dieses anschließend wieder.

Der Tod tritt erst einige Minuten später infolge des Blutverlusts ein.
Entscheidungsstellen
Für die Rekonstruktion sind mehrere Punkte von besonderer Bedeutung:
  • die bewusste Vorbereitung der Situation (Testament, Versicherungsabschluss, angebliches Bargeld)
  • die gezielte Inszenierung eines durchsuchten Abteils
  • die Entfernung der Tatwaffe aus dem Abteil durch das Fenster
  • die kurze Begegnung mit dem Schaffner kurz vor dem Zusammenbruch
Diese Momente markieren die Stellen, an denen sich das Geschehen in eine bestimmte Richtung entwickelt und an denen sich Inszenierung und Realität überschneiden.
Grenzen der Aussagekraft
Auch bei einer schlüssigen Rekonstruktion bleiben Fragen offen.

Nicht alle Details des zeitlichen Ablaufs lassen sich exakt bestimmen. Ebenso bleibt unklar, warum einzelne Elemente der Inszenierung genau in dieser Form umgesetzt wurden.

Ein Teil der ursprünglichen Spurenlage wurde zudem durch Rettungsmaßnahmen verändert, was die Rekonstruktion zusätzlich erschwert.

Die Analyse kann daher nur die wahrscheinlichste Linie benennen — nicht jedes Detail des Geschehens zweifelsfrei klären.
Profiler-Fazit
Der Fall zeigt exemplarisch, wie stark einzelne Spuren täuschen können, wenn sie isoliert betrachtet werden.

Erst die Gesamtbetrachtung aller Befunde macht sichtbar, dass die Spuren nicht zu einer einzigen, widerspruchsfreien Fremdtat passen.

Entscheidend ist daher nicht die plausibelste Geschichte, sondern die Version, die mit den vorhandenen Spuren die geringsten Widersprüche erzeugt.

Gerade in solchen Fällen zeigt sich ein zentrales Prinzip der Fallanalyse:

Ein Täter kann eine Geschichte inszenieren —
aber selten eine vollständig widerspruchsfreie Wirklichkeit.

Abschluss

Zum Schluss

Dieses Case File endet nicht mit einer Lösung, sondern mit einer Entscheidungslinie — und den Befunden, die sie tragen oder entkräften.

Jeder Fall steht für sich. Und jeder verlangt eine eigene Analyse.

Was Sie daraus mitnehmen, liegt nicht im Text — sondern in Ihrer Arbeit damit.

Bis hierhin.

Axel Petermann

Arbeitsakte abgeschlossen.